Indien zählt 98 Millionen Behinderte, was ca. 10 % der Bevölkerung ausmacht. Allein 60 Millionen dieser Behinderungen wären vermeidbar, wenn die Vorsorgemedizin, inklusive der Schutzimpfungen, breitere Anwendung fände. Lediglich 2 Prozent der Behinderten erfahren eine seriöse medizinische Behandlung in Form von Rehabilitation, wie sie vom IH in Indien seit geraumer Zeit in Zusammenarbeit mit den Amar Jyoti Rehabiltitationszentren in Neu Delhi und Gwalior gefördert wird. Das von Frau Dr. Uma Tuli, der Gründerin und Leiterin von Amar Jyoti, entwickelte Hilfskonzept für Körperbehinderte hat sich aufgrund seiner Erfolge weiter ausgebreitet und wird u.a. auch von Organisationen wie Akshay Pratishthan in Neu Delhi und Chirawa angewandt. Der Internationale Hilfsfonds unterstützt über 1100 behinderte Kinder und Jugendliche in diesen Zentren und darüber hinaus in vielen Familien im Rahmen der lokalen Rehabilitations-Projekte auf kommunaler Ebene, wobei die Durchführung wiederum bei den oben genannten Organisationen liegt.

BEHINDERTEN EIN RECHT AUF SCHULBILDUNG VERSCHAFFEN!

Das Hilfsmodell von Frau Dr. Tuli basiert auf dem Prinzip, daß alle Kinder, nicht-behinderte wie behinderte, ein Recht auf Schulbildung haben. Um dieses Anrecht in die Praxis umzusetzen, scheint es erfolgversprechend, schon vom frühesten Alter an dieselbe Anzahl von behinderten mit nicht-behinderten Kindern zusammen in die Schule zu schicken. Dieses Konzept beschert beiden Seiten Vorteile: Die behinderten Kinder erkennen, daß sie dieselben Lernchancen haben wie Kinder ohne Behinderung. Gleichzeitig lernen die nichtbehinderten Kinder auf natürliche, alltägliche Weise, wie wichtig Toleranz im Umgang mit Behinderten ist. Negative Vorurteile kommen nicht zum Tragen: Folglich führt die Behinderung nicht zur Ausgrenzung.

Mit seinem Patenschaftsprogramm unterstützt der IH seit Jahren kontinuierlich die Rehabilitations- und Forschungszentren Amar Jyoti und Akshay Pratishthan. Den Zentren sind jeweils Grundschulen angeschlossen. Der IH hat es sich zur Aufgabe gemacht, in enger Kooperation mit den indischen Partnern, den ärmsten, körperlich und geistig behinderten Kindern aus den Slums zu helfen. Ziel muß es sein, den behinderten Kindern den Zugang zur Schulbildung zu verschaffen.

Die Voraussetzung hierfür ist nach wie vor die Bewußtseinsänderung unter der Bevölkerung, Behinderte als Teil der Gesellschaft zu begreifen und zu respektieren. Das ist ebenso aktuell wie notwendig: Allzu hartnäckig halten sich die alten Vorurteile. Daran haben auch Modernisierung und Globalisierung nicht viel geändert. Wenn religiöse Barrieren den Weg zu mehr Toleranz den Ärmsten, den Ausgestoßenen gegenüber verbauen, wie dies auch in Indien oft der Fall ist, so können die Anstrengungen von Frau Dr. Uma Tuli nicht hoch genug eingeschätzt werden. Extrem wichtig hat sich ihr kontinuierliches Rehabilitations-Training für die behinderten Kinder erwiesen:

Eine Stunde täglichen Trainings führt zu erstaunlichen Verbesserungen des beeinträchtigten Bewegungsapparats der Körperbehinderten. All diese medizinischen Rehabilitationsmaßnahmen müssen die Körperbehinderten parallel zu ihrem Schulbesuch begleiten, soll eine wirksame Verbesserung des Behinderten-Schicksals dieser Kinder erreicht werden.