| INHALT | Nr. 05 Mai 2010 | ||
| UKRAINE,
BELARUS, RUSSLAND |
Ukraine,
Belarus, Rußland: Am meisten leiden die Kinder unter den Folgen der atomaren Verseuchung! |
||
| GEORGIEN | |||
| PHILIPPINEN | |||
|
|
||
| Die
Folgen des
Tschernobyl-Unfalls sind viel
schlimmer als bislang befürchtet: Fast 1 Million Menschen sind der Katastrophe zum Opfer gefallen! |
||
|
In diesem Monat jährt sich der Tschernobyl-Unfall zum 24. Mal. Rechtzeitig zu diesem Jahrestag, der uns daran erinnert, daß diese Katastrophe nun fast schon ein Viertel Jahrhundert zurückliegt, ist die ausführlichste Studie über die Konsequenzen dieses Unfalls für Mensch und Umwelt abgeschlossen worden. Aus dieser Studie, die von der New York Academy of Sciences herausgegeben wurde und an der führende Wissenschaftler aus Rußland und Belarus beteiligt waren, geht hervor, daß seit 1986, als sich der Unfall ereignete, bis ins Jahr 2004 mehr als 985000 Personen an Krebsleiden gestorben sind, die auf die Auswirkungen der größten von Menschen verursachten Nuklear-Katastrophe zurückzuführen sind..Die Ziffern aus dieser Studie pulverisieren im wahrsten Sinne des Wortes die realitätsferne Zahl von nur 4000 Toten, die von der IAEA (International Atomic Energy Agency = Internationalen Atombehörde) bis heute mit dem Tschernobyl-Gau in Verbindung gebracht werden. Alice Slater von der Nuclear Age Peace Foundation in New York, nennt die neuesten Erkenntnisse aus den jüngsten Forschungsarbeiten, daß fast 1 Million Menschen den Auswirkungen des Tschernobyl-Unfalls zum Opfer gefallen sind, „einen alarmierenden Weckruf für all diejenigen Regierungen, die sich von der korrupten Internationalen Energie-Behörde und der sie stützenden Atom-Industrie hinters Licht führen ließen.“ Die objektive Sicht der Problematik würde, so führt Alice Slater fort, durch den einvernehmlichen Schulterschluß zwischen der IAEA und der WHO (World Health Organisation = Welt-Gesundheitsorganisation) vereitelt, zumal sich die WHO dazu verpflichtet hat, ohne die Zustimmung der IAEA keine Tschernobyl-relevanten Daten zu veröffentlichen. Darin sei der Versuch zu sehen, führt man seitens der Nuclear Age Peace Foundation weiter aus, daß jede Aufklärung ohne die Zustimmung der IAEA verhindert werden soll, um so die tatsächlichen Auswirkungen der Nuklear-Katastrophe der Öffentlichkeit als „von der Atom-Industrie nicht erwünscht“ vorzuenthalten. Alice Slater empfindet es als einen Glücksfall, daß die neueste Studie unabhängiger Wissenschaftler die horrenden Kosten, die sich aus dem Tschernobyl-Desaster ergeben haben, ans Tageslicht gebracht hat. Außerdem sei deutlich geworden, daß die Welt ein Zerrbild über die Folgen des Tschernobyl-Unfalls von Wissenschaftlern vermittelt bekommen hat, die im Interesse der Atomindustrie die wirklichen Probleme verniedlicht und das Bild der Schäden geschönt hätten. Auch über die Intensität der Explosion des Blocks 4 des Atomreaktors in Tschernobyl am 26. April 1986 entsprachen die hierüber verbreiteten Berichte nicht dem tatsächlichen Ausmaß der radioaktiven Verseuchung. Erst Mitte Mai konnte dieser Block vermeintlich unter Kontrolle gebracht werden. Der Grad der radioaktiven Belastung, der durch den Tschernobyl-Reaktor verursacht wurde, war mehr als Hunderte Male stärker als beim Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki durch die US-Armee. Die höchste Belastung hatten die dem Unfallort am nächsten gelegenen Regionen in der Ukraine – inklusive seiner nur 100 km entfernt gelegenen Hauptstadt Kiew, mit seinen über 3 Millionen Einwohnern – sowie die nächstgelegenen Regionen Weißrußlands und Rußlands zu beklagen.
Der durch den Tschernobyl-Unfall hervorgerufenen gesundheitlichen Beeinträchtigung ist ein weiteres wichtiges Kapitel dieser Studie gewidmet: Danach waren laut medizinischen Untersuchungen vor dem Unfall 80% der Kinder in der Ukraine, Weißrußland und Rußland gesund; wohingegen sich heute weniger als 20% der Kinder guter Gesundheit erfreuen! Wissenschaftler gehen davon aus, daß die Nachkommen radioaktiv verstrahlter Eltern noch in 7 nachfolgenden Generationen unter den Konsequenzen zu leiden haben. „Die genetischen Auswirkungen werden sich bei Hunderten von Millionen Menschen bemerkbar machen“, merken die Wissenschaftler an. Die Rate der auf Krebserkrankungen zurückzuführenden Toten war in dem am intensivsten verseuchten Gebiet Weißrußlands, in der Region Gomel am höchsten, wo der Anstieg von Krebstoten in der Periode von 1986 bis zum Jahre 2000 ca. 40% betrug; in den weniger verseuchten Gebieten von Belarus, Mogilew und Brest, war der Anstieg der Krebstoten merklich niedriger. Die Variationen der am häufigsten verzeichneten Krebsarten fächert sich in Krebserkrankungen von Kindern bis zu Schilddrüsenkrebs, Leukämie, sowie andere Krebsleiden auf. Unter Berücksichtigung der medizinischen Forschungsergebnisse aus allen vom nuklearen Ausfall Tschernobyls betroffenen Nationen, lag die (Krebs)- Sterblichkeitsrate in der Periode vom April 1986 bis Ende 2004 bei zusätzlichen 985 000 Toten. Die Studie geht auch auf die Umweltbelastung und auf die Belastung von Tieren und Pflanzen ein, wobei sofort nach der Katastrophe die Häufigkeit von Mutationen und kontaminierten Gebieten steil anstieg. Auch 23 Jahre nach dem Unfall können die Wissenschaftler sich noch kein Bild über die tatsächlichen Auswirkungen auf die Flora machen. Bei Tieren wurde eine niedrigere Lebenserwartung festgestellt, verbunden mit einem Anstieg von Tumoren und Immunschwäche. Am Ende des Buches wird Präsident Kennedy zitiert, der 1963 die Beendigung aller Nukleartests forderte. Die Tschernobyl-Katastrophe macht uns darauf aufmerksam, daß die Atomindustrie offenbar gewillt ist, Risiken für die Menschheit und Umwelt, die nicht nur theoretisch, sondern auch in praxi einen vergleichbar hohen Risikofaktor, der dem bestehenden Atombombenarsenal gleichkommt, in Kauf zu nehmen. Der Internationale Hilfsfonds e.V. sieht es als nützlich an, wissenschaftlich abgesicherte Daten über wichtige Probleme, die in direktem Bezug zu seinen Projekten der humanitären Hilfe stehen, seinen interessierten Spendern zu vermitteln. Wir hoffen, mit diesem Bericht hierzu einen Beitrag liefern zu können. Ihr Prof. Dr. Karl H. Koch |
||
| << zum Inhaltsverzeichnis | ||
| << zum Inhaltsverzeichnis |
|
|||||||||||||||||||