 |
| In
den Waisenhäusern und Heimen sind die Lebensbedingungen für Kinder oft
deprimierend. |
Schon seit
dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahre 1991 engagiert sich
der Internationale Hilfsfonds e.V. in humanitären Hilfsprojekten mit
der Zielsetzung, die Integrati on jüdischerMinderheiten in den
Nachfolgestaaten der UdSSR zu fördern. Diese Maßnahmen unseres
Hilfswerks zur Integration von ethnischen Minderheiten haben einen
breiten Fächer, wie die Kenner unserer Arbeit wissen. So unterstützt
der IH schon seit Jahren die wertvollen Hilfsprojekte des East European
Jewish Heritage Project unter Leitung von Herrn Franklin Swartz in
Weißrußland. In seiner Hilfsorganisation VOLUNTAS widmet er sich
zusammen mit seiner Frau Galina hingebungsvoll Bedürftigen. Ein
wirkungsvolles Hilfsprojekt für schwerstbehinderte jüdische und
weißrussische Kinder verdient es ganz besonders, vom IH unterstützt zu
werden. Die Projektarbeit selbst war bereits in der November-Ausgabe
der IH-Nachrichten vorgestellt worden, um auf die Nöte dieser
vernachlässigten Randgruppe hinzuweisen, aber auch auf neue,
bahnbrechende Behandlungsmethoden, der wir durch die Partnerschaft mit
dem Internationalen Hilfsfonds in anderen Nachfolgestaaten der UdSSR
zum Durchbruch verhelfen wollen. Falls dies gelingt, könnte
für viele lernbehinderte Kinder und Erwachsene eine Intensivierung der
Hilfe erreicht werden.
SCHWERST-LERNBEHINDERTE
KINDER WERDEN ALLZU OFT IN DIE ISOLATION GEDRÄNGT!
In den Nachfolgestaaten der Sowjetunion setzte sich die destruktive
Haltung gegenüber Menschen mit Behinderung fort, wie dies bereits
Jahrzehnte zuvor in der Sowjetunion üblich war. Oftmals wurden
behinderte Kinder gleich nach der Geburt in für sie vorgesehene
Institutionen geschleust, wo sie zu einem von der Gesellschaft
weitgehend isolierten Dasein verdammt waren. Zumeist fristeten sie in
abgeschotteten Abteilungen der Psychiatrie ein deprimierendes Dasein.
Diese Tatsache zeigt auf, daß die Problematik der Lernbehinderung im
allgemeinen völlig falsch eingeschätzt wurde, wobei oberflächliche,
negative Vorurteile entscheidend dazu beitrugen, Lernbehinderte zu
diskriminieren, indem man sie – in Verkennung der tatsächlichen
Gegebenheiten – als Geisteskranke einstufte. Diese medizinisch
Problem-irrelevante Maßnahme kann nur als inhuman bezeichnet werden.
Geistig Behinderte und Lerngestörte wurden so gleichermaßen isoliert,
ohne daß man sich jemals ernsthaft der Mühe einer differenzierten
Diagnose unterzogen hätte, das intellektuelle Potential des jeweiligen
Individuums überhaupt auszuloten.
WAS
HÄUFIG IGNORIERT WIRD: AUCH LERNBEHINDERTE HABEN KREATIVES POTENTIAL!
Die unnötige Disqualifizierung lernbehinderter Kinder und Erwachsener,
die durch deren Abschottung von der Gesellschaft auf grausame Weise
verstärkt wird, ist nicht nur aus humaner Sicht inakzeptabel, sondern
auch volkswirtschaftlich betrachtet, schädlich. Denn jedes verschüttete
Talent, das aufgrund solch inkompetenter bürokratischer Maßnahmen aufs
Abstellgleis befördert wird, bleibt ja – auch zum Nachteil der
Gesellschaft – unterentwickelt! Wenn die Entfaltung der Persönlichkeit
der auch in vielen lernbehinderten Kindern schlummernden Talente
versagt bleibt, verkümmert viel kreatives Potential.
 |
Schwerst-Lernbehinderte
bedürfen liebevoller Zuwendung und geduldiger Hingabe der
Pädagogen.
|
Es muß demnach unsere Aufgabe sein, die Kreativität
Schwerst-Lernbehinderter freizulegen und zu fördern!
DIE
ZWANGSVERFRACHTUNG IN HEIME VERSCHLIMMERT
DIE SITUAT ION LERNBEHINDERTER
KINDER!
Die staatlichen Einrichtungen richteten sich Jahrzehnte hindurch an
„der alten Schule“ aus, deren Ansatz darin bestand, Kinder mit
multiplen Lernschwächen in die Obhut eines Heimes zu überführen. Dabei
wird jedoch total übersehen, daß jede Störung einer
Mutter-Kind-Beziehung zu schweren Traumata führen
kann. Umso gravierender muß es sich auswirken, wenn aus dem
langjährigen Heimaufenthalt eine bleibende Trennung von Mutter und Kind
resultiert. Dies wiederum bedeutete dann nur allzu oft, daß z.B. Kinder
mit „Down-Syndrom“ oder Gehirnschwäche, die an und für sich, trotz
ihrer Behinderung(en), alle Voraussetzungen mitbrachten, durch
problemadäquates Training zumindest eine annähernd normale
Lebensführung zu erreichen, praktisch dazu verdammt waren, zeitlebens
isoliert in einem Behindertenheim ihr Dasein zu fristen.
|
|
| Lernbehinderte
Kinder warten auf ihren Auftritt bei einer Veranstaltung, wo sie die
Fortschritte ihrer Ausbildung demonstrieren können. |
Eine
Pädagogin widmet sich einem schwerst-lernbehinderten Kind, das aufgrund
seiner Körperbehinderung auf einen Rollstuhl angewiesen ist. |
Die Situation der Eltern
wurde durch einen weiteren Umstand erschwert:
Wenn sie sich mit ihrer Forderung, ihr Kind zuhause zu behalten,
durchsetzen konnten, erhielten sie nur unzureichende finanzielle
Zuwendungen, sodaß die für die Entwicklung des Kindes so notwendige
Therapie und Ausbildung nicht finanzierbar und somit nicht durchführbar
war. Dies bedeutet, daß auch Kinder, die zuhause bei ihren Eltern
bleiben konnten, keine Aussicht hatten, einen Ausweg aus ihrer
Behinderung zu finden.
Die von VOLUNTAS entwickelte Konzeption hingegen eröffnet die Chance
zur Problemlösung
MULTIPLEN
LERNBEHINDERUNGEN MIT ALTERNATIVEN PÄDAGOGISCHEN METHODEN BEGEGNEN!
Das Ausgangsziel dieses Projektes war es, einer lebenslangen
institutionellen Betreuung von Kindern mit multiplen Lernstörungen eine
bessere Alternative entgegenzustellen, die darin besteht, den
betroffenen Kindern zusammen mit ihren Eltern eine problemnahe
Unterstützung zu bieten.
Da die oben erwähnten
Heime zumeist nur unzureichende Erfahrungen mit schwerst-lerngestörten
Kindern hatten und zudem nicht über ausreichend qualifiziertes Personal
verfügten, das in der Lage gewesen wäre, wichtige Anstöße zur
Entwicklung der schwerstbehinderten Kinder zu geben, fehlten von
vorneherein die Voraussetzungen, die Lernfähigkeit schwerstbehinderter
Kinder professionell zu fördern, was verständlicherweise einen hohen
Qualifikationsgrad der pädagogischen Kräfte voraussetzt.
Das VOLUNTAS-Früh-Interventions-Programm
nimmt sich dieser Probleme gezielt an, indem es eine fallbezogene, auf
das Individuum abgestimmte Ausbildung für das an multiplen
Lernschwächen leidende Kind anbietet und so diesen Problemkindern
Hoffnung vermittelt: Alle Kinder werden vom
VOLUNTAS-Früh-Interventions-Team in enger Kooperation mit den Eltern
betreut, wobei bis zu 624 Entwicklungsübungen abgerufen und
bedarfsgemäß angewandt werden können. Im Vordergrund der
Trainingsmaßnahmen steht dabei, was das Kind
tun kann und nicht die entmutigende Eruierung,
herausfinden zu wollen, was das Kind
nicht kann, was jede Entwicklungsmöglichkeit von
vorneherein lähmt. Sobald die entsprechenden Tests in enger
Miteinbeziehung der Eltern ausgewertet worden sind, kann das jeweilige
individuell zugeschnittene Ausbildungsprogramm für jedes Kind beginnen.
Alle der bereits erwähnten
624 Fähigkeiten können mit 3 bis 10 Übungsvarianten entwickelt werden.
Entweder die Eltern, oder aber die Großeltern können eine entsprechende
Ausbildung erhalten, sodaß sie durchaus in der Lage sind, die
wichtigsten Übungen anzuwenden und dieselben geduldig zu wiederholen.
|
|
| Unser
Photo zeigt eine Lehrerin, die in einer Schule für taubstumme Kinder
unterrichtet. |
Auch
lernbehinderte, taubstumme Kinder finden am Schulunterricht Gefallen,
vorausgesetzt, die zur Anwendung kommende Methodologie bietet ihnen
dazu Gelegenheit. |
|
| Behinderte
Kinder erfreuen sich der liebevollen Zuwendung einer Sozialpädagogin. |
|
| Eine
Pädagogin versucht, das Farbempfinden eines schwerst-behinderten Kindes
durch entsprechende Übungen zu verbessern. |
|
| Dieser
Raum ist so angelegt, daß schwerst-lernbehinderte Kinder ihren Farb-
und Tastsinn besser entwickeln können. |
Woche für Woche wird vom
Therapeuten, zusammen mit den Eltern, bzw. eigens ausgebildeter
Fachkräfte, der Ausbildungsstand des Kindes und der jeweils erzielte
Forschritt gemessen, was nicht nur positiv zur Motivationssteigerung
des Kindes selbst, sondern auch deren Helfer beiträgt. Diese Art der
Ausbildung kann sowohl zuhause oder auch in Rehabilitationszentren
durchgeführt werden.
Die von VOLUNTAS
angewandte Methode hebt sich positiv von der seither üblichen Praxis
staatlicher Einrichtungen im Umgang mit multiplen Lernbehinderten ab,
bei denen Fehldiagnosen an der Tagesordnung waren, was dann jedoch
nicht selten zu Fehlbehandlungen führte und die Patienten in
Aussichtslosigkeit und Verzweiflung zurückließ.
Doch nicht nur die Kinder
litten unter diesen Fehlentwicklungen. Auch die Eltern, die ihr
Einverständnis dazu gaben, daß ihre Kinder in Heimen aufgenommen
wurden, fühlten sich mitschuldig am Schicksal ihrer Kinder. Die
Nachfrage nach dem VOLUNTAS-Früh-Interventions-Programm ist inzwischen
auf nationaler Ebene in Weißrußland so stark gestiegen, daß die
Möglichkeiten der weißrussischen Hilfsorganisation erschöpft sind.
DURCH
HILFE AUS DEM AUSLAND KANN DIE EFFIZIENZ DES TRAININGS VERBESSERT
WERDEN!
Für die Realisierung des Programms bedarf es einer besseren Ausstattung
mit Lernspielzeug, Malfarben und anderen Mitteln der graphischen
Gestaltung, Musikinstrumente, Mittel zur Förderung des Tastsinns,
Photokopiergeräte zum Kopieren der Lehrmaterialien, Videokameras zur
Aufzeichnung und Erkennung des Fortschritts bei den lernbehinderten
Kindern, Materialien zum Produzieren von Lehrfilmen, um auch abgelegene
Gebiete des Landes via TV zu erreichen, bzw. durch Versendung von
Lehrfilmen die Möglichkeit zur Therapieteilnahme zu erlauben.
Der Internationale
Hilfsfonds e.V. bemüht sich, durch Hilfsgütersendungen die Ausstattung
des Programms zu verbessern.
Die hier beschriebene
Therapieform erreicht ihren höchsten Wirkungsgrad dann, wenn sie
frühestmöglich, bereits im zartesten Kindesalter, eingesetzt wird. Es
sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, daß die Therapie natürlich auch
bei Erwachsenen, die noch nicht von diesem Programm profitieren
konnten, nutzbringend angewandt werden kann. Damit würde sich auch für
diese behinderten Menschen, die zumeist in größter Isolation verharren
mußten, eine Möglichkeit zur Verbesserung ihrer gegenwärtigen
Lebensumstände auftun.
|
|
| Auch
erwachsene Lernbehinderte können mit Hilfe des Voluntas-Programms ihre
Lernfähigkeit verbessern. |
Diese
beiden Pädagoginnen führen laufend Seminare durch, mit dem Ziel, die
Zahl der Ausbilder zu erhöhen, um möglichst vielen
schwerst-lernbehinderten Kindern eine Chance für die Eingliederung in
den normalen Schulbetrieb zu eröffnen. |
|
| Eine
Mutter wendet sich liebevoll ihrem behinderten Kind zu. |
Da schwerst-lernbehinderte
Kinder und Erwachsene in den meisten Nachfolgestaaten der UdSSR eine
vernachlässigte Randgruppe in der Gesellschaft darstellen und deshalb
isoliert sind, strebt der Internationale Hilfsfonds e.V. zusammen mit
VOLUNTAS an, die hier beschriebene Therapieform über Weißrußland
hinaus, auch in Rußland, der Ukraine, den baltischen Staaten, sowie
Kasachstan einzuführen. Hierbei können wir nur Schritt für Schritt, im
Rahmen der uns gegebenen Möglichkeiten, vorgehen.
Wir
dürfen uns bei Ihnen für die bislang erhaltene Förderung unserer
Hilfsprojekte für schwerst-lerngestörte Kinder wärmstens bedanken und
wären Ihnen, werte IH-Gönner, auch für Ihre künftige Unterstützung
dieses Hilfsprojekts sehr verbunden.
Herzlichst,
Franklin
Swartz
Direktor des East European
Jewish Heritage Project - VOLUNTAS
Minsk (Weißrußland) |
Karl
H. Koch
IH-Vorsitzender
Internationaler Hilfsfonds e.V. |
|
|
| Galina
Swartz hat bereits zahlreiche Ausbilder mit dem
Voluntas-Früh-Interventions-Programm in Weißrußland, wie auch im
angrenzenden Ausland, vertraut gemacht. |
In
sorgfältig vorbereiteten Seminaren werden Pädagogen, Sozialarbeiter,
Pfleger aber insbesondere auch die Eltern schwerst-lernbehinderter
Kinder an das Voluntas-Früh-Interventions-Programm herangeführt. |
|